Selbständige in der Weiterbildung

Selbstständige, freiberufliche und prekäre Tätigkeiten nehmen zu - auch und gerade in der Bildungsbranche. Immer mehr Beschäftigte arbeiten hier - freiwillig oder unfreiwillig, erfolgreich oder weniger erfolgreich – als selbstständige Dozenten/innen, Trainer/innen, Berater/innen oder Coachs. Als Solo-Selbstständige müssen sie ihre soziale Absicherung selbst finanzieren. Zugleich sind die zum Teil äußerst niedrigen Honorare Grund genug, sich über Lösungen der eigenen sozialen Lage zu verständigen und sich in gewerkschaftlichen Netzwerken zu organisieren. Aber auch der berufsfachliche Austausch und die gegenseitige Kooperation sind gute Gründe dafür.

Gewerkschaften (wie ver.di) verfolgen eine "Doppelstrategie":

Zum einen: Freie Lehrkräfte sind "keine Landarbeiter des 21. Jahrhunderts – Sie sind nämlich keine ungebildeten Tagelöhner. Freie Dozenten sind Selbstständige, und zwar hoch qualifizierte. Deshalb haben sie - anders als Landarbeiter - unendlich viele Möglichkeiten, ihre Lage individuell zu verbessern." (Goetz Buchholz)

Zum anderen: "Für die Leute, die nur frei beschäftigt werden, weil das billiger ist, müssen wir um Arbeits- und Honorarbedingungen kämpfen, die möglichst nahe an denen von Arbeitnehmern sind. Das ist für sie die beste Absicherung." (ders.) Zu den ganz konkreten Aufgaben gehören hier: "um höhere Honorare kämpfen. Einen Tarifvertrag für Arbeitnehmerähnliche verlangen. Vertragliche Mindestbedingungen einfordern. Öffentlichkeitsarbeit machen. Das Problem auch intern bewusst machen, damit ver.di überall vor Ort Druck auf die Kommunen macht, dass sie ihre VHS vernünftig mit Geld ausstatten. Feste Stellen mit Musterprozessen erkämpfen."

Bei mediafon - dem ver.di Internet-Portal für Selbstständige - finden Sie neben News zu Branchenthemen, Steuern, Versicherungen und Rechtsfragen auch eine interaktive Datenbank speziell für Bildungshonorare. Im Fachbereich Bildung, Wissenschaft und Forschung steht Ihnen André Pollmann als Ansprechpartner zur Verfügung.

Weitere Informationen zur Arbeit des Fachbereichs enthält unser Flyer „Selbstständig Beschäftigte in der Bildungsbranche".

Selbstständige aus der Bildungsbranche haben sich inzwischen in verschiedenen Initiativen vernetzt. Informationen und Kontakte dazu finden Sie auf der Seite „Kontakte – weitere Kontakte“.



DaZ-Lehrende wollen raus aus der Armutsfalle

(21.07.2016) Appelle gab es schon zur Genüge. Zahlreiche Petitionen und Positionspapiere haben die bundesweit vernetzten Initiativen bereits geschrieben. Der Erfolg ist überschaubar. Zwar hat das Bundesinnenministerium jetzt als Reaktion auf den Fachkräftemangel eine Erhöhung der Honorare für Lehrende in Integrationskursen auf 35 Euro pro Unterrichtseinheit angekündigt – sicher ein Schritt in die richtige Richtung. Das Problem aber löst das nicht. Selbst bei diesen Sätzen würde eine Lehrkraft ohne soziale Absicherung kaum mehr als 1.500 Euro netto monatlich bekommen.

Wir brauchen eine Tarifinitiative im Bereich der DaZ-Lehrer_innen. Es ist höchste Zeit, auf die eigene Kraft und die gewerkschaftliche Durchsetzungsfähigkeit zu setzen.

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Musikschullehrer versicherungspflichtig beschäftigt

(11.07.2016) Die Stadt Ahaus muss Sozialversicherungsbeiträge für einen scheinselbstständigen Musiklehrer nachzahlen, der an ihrer Musikschule formal als 'freier Mitarbeiter' eingesetzt wurde. Nachdem er sich an die Deutsche Rentenversicherung gewandt hatte, stellte diese eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung fest.

Um Geld zu sparen, beschloss der Stadtrat, Musikschullehrer so weit wie möglich nur noch als Honorarkräfte einzustellen. Die Verträge liefen über 7 bis 12 Unterrichtstunden in der Woche. Damit wähnte sich der Stadtrat wohl auf der sicheren Seite, was die Sozialversicherungspflicht der Beschäftigten angeht. Wer weniger als 15 Unterrichtstunden gibt, der ist nicht in den Betrieb integriert. Eine Vermutung, die viele Bildungsträger haben. Zu Unrecht, wie das Landessozialgericht NRW jetzt feststellte.

Denn der Musikschullehrer sei bei seiner Arbeit „in erheblichem Umfang vertraglichen Vorgaben unterworfen und insbesondere durch die Rahmenlehrpläne gebunden gewesen“, so das Landessozialgericht. Hinsichtlich des Arbeitsortes, der Arbeitszeit und der unterrichteten Schüler „sei er nicht wie ein typischer Selbständiger frei gewesen“.

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„Einstieg Deutsch“

(27.06.2016) Jährlich 19 Millionen zusätzlich für den Spracherwerb für Geflüchtete aus dem Bundesbildungsministerium. Hört sich erst mal gut an. Bis zu 45.000 Geflüchteten soll damit der „schnelle Spracherwerb“ möglich gemacht werden. Umgerechnet sind das ca. 420 Euro je geförderter Teilnahme. Was soll denn mit diesem Mini-Etat erreicht werden?

„Die Lernangebote erstrecken sich über vier bis acht Wochen. Teilnehmende können zum Abschluss ein A1-Zertifikat erwerben, das die DVV-Tochtergesellschaft telc gGmbH eigens für diese Spracheinsteiger entwickelt hat.“ Aber was passiert dann? Wer einen Integrationskurs besucht, hat danach die Möglichkeit, die Prüfung nach der Stufe A 2 oder B 1 zu machen. Wer B 1 nicht besteht, bekommt zusätzlich 300 Unterrichtstunden, um die Prüfung zu wiederholen. Ohne die nach B 1 erreichten Deutschkenntnisse ist an eine berufliche Integration nicht zu denken. Leider sagt die Ministerin nicht, wie es denn nach dem A 1 Schein weitergehen soll. Bleibt zu hoffen, dass die schönen, neuen Kurse nicht in einer Sackgasse enden.

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Anforderungskatalog an die qualitative Gestaltung von Sprach- und Integrationskursen für Geflüchtete

(27.06.2016) Ohne Sprachkurse wird die Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt nicht gelingen. Der Ruf nach mehr Sprachkursen ist deutlich zu vernehmen. Doch die Qualität der angebotenen Sprachkurse könnte dabei auf der Strecke bleiben. Von den Arbeitsbedingungen der betroffenen Lehrkräfte wird auch nicht geredet.

Bei den vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) angebotenen Deutschkursen deutet sich langsam eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen der beschäftigten Dozent_innen an. Allerdings wird das BAMF nur einen Teil der notwendigen Deutschkurse veranstalten. Neben diesen Kursen entwickelt sich anhand weiterer Fördertöpfe von Seiten der Bundesländer ein neuer, völlig ungeregelter Markt. Es gibt keine wirklichen Qualitätsanforderungen wie bei den BAMF-Kursen. Es gibt keine Regelungen für die Bezahlung der eingesetzten Lehrkräfte. Stundensätze von unter 20 Euro die Unterrichtseinheit sind in diesem Bereich keine Seltenheit.

Die AG Weiterbildung Niedersachsen im Fachbereich Bildung, Wissenschaft und Forschung von ver.di hat ein Anforderungspapier für Deutschkurse entwickelt, das für sämtliche geförderten Kurse gelten soll. Die genannten „Anforderungen beziehen sich auf die in Niedersachsen durch die Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung (AEEB) geförderten sogenannten AEWB-Sprachkurse, auf die vom Bundesamt für Migration (BAMF) geförderten Integrations- und Alphabetisierungskurse sowie auf alle weiteren ggf. noch durch andere Stellen und/oder (Förder-)Richtlinien geförderten Sprachkurse.“

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Lehrkräfte in Deutschkursen brauchen endlich bessere Arbeitsbedingungen

(22.06.2013) Die Deutschlehrer_innen in Integrationskursen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) haben sich im Juni zu einem bundesweiten Bündnis zusammengeschlossen. Ziel ist die Verbesserung der Arbeitsbedingungen der meistens im Honorarverhältnis beschäftigten Lehrkräfte.

Die Bundesarbeitsgruppe Weiterbildung des Fachbereichs Bildung, Wissenschaft und Forschung hat seine Positionen zur Bezahlung von Lehrkräften in Integrationskursen in einem Beschluss festgelegt. „Die selbständigen DaZ/DaF-Lehrer_innen arbeiten meistens hauptberuflich und überwiegend für einen Auftraggeber als selbstständige Honorarlehrkräfte. Aus diesem Grunde sind sie als Arbeitnehmerähnliche Personen entsprechend § 12 a TVG zu behandeln. Darum haben sie einen gesetzlichen Anspruch auf bezahlten Jahresurlaub. Sie brauchen darüber hinaus eine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, finanzielle Absicherung bei Auftragsausfall, bei Fehlzeiten wie z.B. Mutterschutz, in Ferienzeiten und für auftraggeberfinanzierte Fort- und Weiterbildung sowie bezahlte Teilnahme an Fachkonferenzen.“

Ziel bleibt die Festanstellung bei den Trägern, deren Bezahlung sich an der tariflichen Entlohnung von Berufsschullehrern ausrichten muss. Soweit diese Forderung politisch nicht durchsetzbar ist, wird zumindest eine tarifliche Ausgestaltung der Arbeitsbedingungen nach § 12 a Tarifvertragsgesetz angestrebt. Diese Lösung ist mangels eines Arbeitgeberverbands allerdings nur betrieblich möglich.

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Lehrkräfte aus Integrationskursen bilden bundesweites Bündnis

(26.05.2016) Am 21. Mai 2016 haben Lehrkräfte aus 20 Städten ein bundesweites Bündnis von Lehrkräften in Integrationskursen gegründet. Gegenüber früheren Anläufen gemeinsamer Aktivitäten gegen die schlechten Arbeitsbedingungen sind es nicht nur Einzelkämpfer_innen. In vielen Städten existieren inzwischen fest arbeitende Gruppen von Honorarkräften, die in vielfältigen Aktivitäten auf ihre Lage aufmerksam gemacht haben.

Die Lehrkräfte begrüßen den Plan der Bundesregierung, den Honorarsatz auf 35 Euro zu erhöhen. Allerdings betrachten sie diese Honorarerhöhung „lediglich als einen ersten Schritt in die richtige Richtung.“ Ziel müsse es sein, die Lehrkräfte analog zu der Entlohnung von Berufsschullehrern in „Festanstellung mit tariflich gebundener Eingruppierung“ und 26 Unterrichtstunden anzustellen. Alternativ dazu erwarten sie „bei Freiberuflichkeit ein Honorar, das das Arbeitgeberbrutto der festangestellten Lehrkräfte um 25% übersteigt (Risikozuschlag), denn das Honorar muss das Urlaubsentgelt, eine Absicherung im Krankheitsfall, im Mutterschutz und bei Auftragsausfall enthalten.“

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Integrationslehrkräfte besser bezahlen – Bundesregierung muss mehr Mittel bereitstellen

(17.05.2016) Das Innenministerium schlägt Alarm. Massenhaft fehlen ausgebildete Sprachlehrkräfte in den Integrationskursen. Gelinge es nicht bald, genügend Lehrkräfte zu finden, dann würde die frühzeitige Integration von Flüchtlingen in Deutschland massiv erschwert.

Das Ministerium will daher die Kostenpauschale für eine Teilnehmerstunde von gegenwärtig 3,10 Euro auf 4 Euro die Unterrichtsstunde erhöhen. Damit wäre es möglich, die Honorarsätze von gegenwärtig 23 Euro die Unterrichtsstunde auf 35 Euro zu erhöhen. Entgegen früheren Äußerungen der Bundesregierung, nach der Honorarsätze zwischen Bildungsträgern und Dozent_innen frei ausgehandelt und daher durch die Regierung nicht beeinflusst werden könnten, soll das jetzt plötzlich doch möglich sein.

So soll die Honoraruntergrenze von 35 Euro nicht nur bei der Vergabe festgeschrieben werden. Zusätzlich müssten sich die Bildungsträger zur Einhaltung der Honoraruntergrenze verpflichten.

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Lehrkräfte in DaF-Kursen fordern Festanstellung oder 60 Euro Honorar

(09.05.2016) Nach der Einführung der Integrationskurse waren fast alle Dozent_innen auf Honorarverträge angewiesen, wollten sie weiterhin Deutschkurse geben. Weder in der Politik, noch beim zuständigen Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) gab es ernsthafte Bestrebungen, diesen Zustand zu ändern.

Dabei wurde den Lehrkräften viel abverlangt. Sie benötigten ein abgeschlossenes Hochschulstudium und eine Zusatzqualifikation, wenn sie unterrichten wollten. Qualifikationsansprüche, die sonst in keinem Bereich der Weiterbildung abgefordert werden.

Gegen die miserablen Honorare von etwa 20 Euro die Unterrichtsstunde gab es immer wieder Proteste. Bewegt hat sich dabei nicht viel, viele Initiativen verliefen im Sande.

Die Zahl der 2015 nach Deutschland Geflüchteten hat die Lage dramatisch verändert.

Wenn die Politik ernsthaft an einer Integration der Geflüchteten in den Arbeitsmarkt interessiert ist, benötigt sie eine massive Ausweitung der Deutschkurse. Alle bisherigen Anstrengungen zur Integration scheitern bisher an unzureichenden Deutschkenntnissen. Liebgemeinte ehrenamtliche Unterstützung der Geflüchteten wird das Problem nicht lösen.

In dieser Situation steigt der Druck auf die Politik. Viele Lehrkräfte haben sich in örtlichen Initiativen zusammengefunden und ein breites Netzwerk gebildet. Die Medien haben sich des Themas angenommen. Der Deutsche Volkshochschulverband fordert eine deutliche Erhöhung der Teilnehmerentgelte vom BAMF. Die Volkshochschulen sind der größte Anbieter von Deutschkursen. Inzwischen zahlen immer mehr Volkshochschulen den Lehrkräften den gesetzlich zustehenden Urlaub.

Die beteiligten Initiativen sind dabei, eine gemeinsame Strategie zu entwickeln. Die Chance, Gutes Geld für Gute Arbeit durchzusetzen, war noch nie so groß.

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Ende des Aufwärtstrends in der Weiterbildung

(26.04.2016) Ohne Honorarkräfte läuft in der Weiterbildung nicht viel. Das machen die Ergebnisse des neuen Weiterbildungsmonitors aus dem Jahr 2015 deutlich.

Über alle Anbieter gerechnet beträgt der Anteil der Honorarkräfte 68,1 Prozent. Unbefristet sozialversicherungspflichtig Beschäftigte bilden gerade einmal 19,1 Prozent des Personals. Allerdings ist weiterhin nicht ersichtlich,ob die Tätigkeit als Honorardozent_in nebenberuflich oder hauptberuflich ausgeübt wird.

Hinzu kommen die Honorarkräfte, die in der Umfrage als „Ehrenamtliche“ geführt werden. Sie sind besonders häufig bei wirtschaftsnahen Insitutitionen wie Kammern und Berufsverbänden und bei Einrichtungen von Kirchen, Parteien und Verbänden vertreten. Hier bilden sie 23,6 bzw. 31,4 Prozent des Personals ab, über alle Bildungsträger sind es immerhin 10 Prozent. Ob es sich wirklich um echte ehrenamtliche Tätigkeit handelt, lässt sich nicht wirklich sagen.

Die Nachfrage nach Honorarkräften steigt mit einer besseren wirtschaftlichen Lage. Wird eine deutlich bessere wirtschaftliche Lage erwartet, dann wollen 24,4 Prozent der Träger mehr Honorarkräfte beschäftigen. Gleichzeitig sinkt die Nachfrage nach ehrenamtlich tätigen Honorardozent_innen.

Bei Festangestellten dominiert bei einer besseren wirtschaftlichen Lage die Nachfrage nach befristen Jobs.
„Nur bei einer deutlichen Verbesserung der Erwartung liegt die Wahrscheinlichkeit zusätzlicher unbefristeter Anstellung höher als diejenige zusätzlicher befristeter Anstellung. Zudem zeigt sich bei der Rekrutierungswahrscheinlichkeit befristet Angestellter im Unterschied zu den beiden erstgenannten Beschäftigungsformen nur ein leicht positiver Trend, d.h., die Rekrutierung von befristet Angestellten ist von der erwarteten Geschäftsentwicklung offensichtlich vergleichsweise unabhängig.“

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Leipziger Erklärung der Institute und Abteilungen für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache in Deutschland zur sogenannten „Flüchtlingskrise“

(17.03.2016) Die Institute und Abteilungen der deutschen Hochschulen und Universitäten, in denen für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache unterrichtet wird, haben sich mit einer Erklärung an die Öffentlichkeit gewandt. Auch für sie ist die Aneignung der deutschen Sprache „ein Schlüssel zu einer erfolgreichen gesellschaftlichen Teilhabe in Deutschland“. Auch die deutschen Universitäten und Hochschulen begrüßen das ehrenamtliche Engagement, auch in der Sprachvermittlung.

Allerdings entstehe in der Öffentlichkeit und in den Medien gelegentlich der Eindruck, als würden für Sprachkurse nicht genügend Fachkräfte zur Verfügung stehen. So werde ein Bild vermittelt, dass notgedrungen auf ad-hoc-Lösungen bei der Sprachvermittlung zurückgegriffen werden müsse. „Dem ist energisch zu widersprechen.“

„Das Fach Deutsch als Fremd- und Zweitsprache hat Konzepte für genau diese Aufgabe entwickelt und ExpertInnen für genau diesen Zweck ausgebildet, die zum Einsatz kommen können und sollten. So gibt es ausgearbeitete und erprobte Konzepte zu Fragen der Sprachbildung unter Bedingungen von Migration, Mehrsprachigkeit und kultureller Diversität.“ Die politischen AkteurInnen bieten allerdings diesen ExpertInnen, auf die die Gesellschaft dringend angewiesen ist, nicht die Arbeitsbedingungen, die ihrer Qualifikation und der Bedeutung ihrer Aufgabe angemessen sind. Diese Zustände würden seit Jahren kritisiert. Doch getan hat sich, auch angesichts der „Flüchtlingskrise“, nichts. Das müsse sich dringend ändern.

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Volkshochschulen warnen vor Engpass bei Integrationskursen für Flüchtlinge

(08.11.2015) Der Deutsche Volkshochschulverband (DVV) geht von einem deutlich steigenden Bedarf an Deutschkursen im nächsten Jahr aus. Schon jetzt sind die im DVV organisierten Volkshochschulen der größte Anbieter für Deutschkurse für Migrant_innen und Flüchtlinge.

Der DVV fordert eine höhere Vergütung, um die Lehrkräfte in Deutschkursen angemessen zu honorieren und die Quote festangestellter Lehrkräfte deutlich zu erhöhen. „Nur so können die dringend benötigten Lehrkräfte dauerhaft an die Weiterbildung gebunden werden“, so die Präsidentin des DVV, Annegret Kramp-Karrenbauer.

In einem Positionspapier vom 15. September 2015 forderte der DVV eine Stundenvergütung von 3,60 Euro je Teilnehmerstunde. In der jetzt veröffentlichten Presseerklärung fordert der DVV eine Stundenvergütung je Teilnehmerstunde von 4,40 Euro. Was die Volkshochschulen unter einer angemessenen Vergütung verstehen, bleibt allerdings unklar. Seit Jahren weigern sich Volkshochschulen, den Lehrkräften den Status der Arbeitnehmerähnlichkeit zuzubilligen. Denn damit müssten sie den Dozent_innen den Urlaub zusätzlich zur Lehrtätigkeit vergüten. Außerdem wäre es möglich, die Arbeitsbeziehungen tarifvertraglich zu regeln. Auch das wollen die Volkshochschulen nicht.

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Warum wir VHS-Dozent_innen Protestieren

(04.11.2015) Ohne Dozent_innen würde die allgemeine Weiterbildung in Deutschland schlichtweg nicht funktionieren. Die Volkshochschulen beschäftigen alleine über 188.000 Dozent_innen. Die Honorare schwanken, aber über 25 Euro für die Unterrichtsstunde gibt es selten. Mit diesem Honorar sind alle Leistungen der Dozent_innen wie etwa die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts abgegolten.

Volkshochschulen begründen diese niedrigen Honorare gerne mit dem Argument, ihre Dozent_innen würden schlichtweg nebenberuflich arbeiten. Sie hätten demnach neben ihrer Tätigkeit in der Volkshochschule einen Job, von dem sie leben würden. Doch die Realität sieht längst anders aus. Viele Bereiche würden ohne hauptberuflich tätige Dozent_innen überhaupt nicht mehr funktionieren. So sind allein in Berlin von insgesamt 3.000 Dozent_innen etwa 600 hauptberuflich tätig. Nach Abzügen verdienen VHS-Dozent_innen bei Vollzeit ca. 1.300 Euro pro Monat. Rente nach 35 Vollzeitarbeitsjahren: zwischen 400 und 700 Euro pro Monat.

Die hauptberuflich tätigen Dozent_innen fordern eine Bezahlung wie festangestellte Lehrer_innen, entweder in Festanstellung oder als arbeitnehmerähnlich Beschäftigte – und zwar mit einem Tarifvertrag. Bei einer arbeitnehmerähnlichen Beschäftigung entspreche das einem Stundenhonorar von 60 Euro.

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Kein Liebesdienst für die gute Sache

(26.10.2015) Wenn scheinbar nichts mehr geht, wird der Ruf nach mehr Bildung besonders laut. Irgendein Gefühl flüstert einem zu, mit ein bisschen mehr an Bildung würde es einfach besser klappen. Dabei wird auf funktionale Bildungsangebote verwiesen, die einem schnell ein paar leicht abrufbare Qualifikationen vermitteln sollen. Immerhin ist die Powerpoint-Präsentation danach besser gelungen. Über die Inhalte jedoch wird wenig gesprochen.

Ausbildung wird als Bildung verkauft. Dabei war die politische Bildung in der Gewerkschaftsbewegung eng verknüpft mit emanzipatorischen Prozessen. Bildung sollte nicht allein Wissen vermitteln. Es ging nicht nur darum, die Welt zu verstehen. Es ging darum, sie auch zu verändern. Politische Bildung sollte die Lernenden dabei unterstützen, politische Veränderungsprozesse in Gang zu setzen.

Doch die Vermarktlichung von Bildung und die Entsicherung der Arbeit verändern die Bedingungen von politischer Bildungsarbeit. Zeit wird knapp, Räume zum gemeinsamen Lernen enger. Zu oft sind Bildungsformate heute getrennt von einer die gesellschaftlichen Zustände ändernden politischen Praxis. „Emanzipatorische Bildungsarbeit steht vor der Herausforderung, an alltagsnahen Handlungsproblemen anzusetzen, dort aber nicht stehen zu bleiben. Das Wissen über die Welt muss mit alternativen Politiken verschränkt werden und den Wunsch nach Selbstveränderung in sich aufnehmen.“ So die neue LuXemburg 2/2015.

Dabei wird in der Debatte häufig vergessen, auch über die zu sprechen, die diese Bildungsprozesse moderieren sollen. Die meisten Lehrenden in der politischen Bildung arbeiten als Honorarkräfte. Ihre Einkommen sind schlichtweg nicht existenzsichernd. Die Arbeitsbedingungen von Soloselbstständigen in der Weiterbildung gefährden zunehmend die Möglichkeiten emanzipatorischer Bildungsarbeit. Noch immer geistert das Bild des ehrenamtlich Lehrenden z. b. durch die deutsche Volkshochschullandschaft. Honorare werden dort häufig als Aufwandsentschädigung und weniger als Lohn für hochqualifizierte Arbeit verstanden. Die Bildungsarbeit dient nach Ansicht vieler Träger nicht dem Lebensunterhalt. Sie gilt als Ehrenamt.

Die Wirklichkeit sieht anders aus. Die Arbeit hat sich professionalisiert. Viele Dozent_innen müssen von ihrer Bildungsarbeit leben. „Politische Arbeit ist ohne freiwilliges Engagement undenkbar, aber unbezahltes Arbeiten müssen sich Menschen erst mal leisten können. Hier ist eine kritische Debatte nötig: Was ist unentgeltlich leistbar, wo beginnt Erwerbsarbeit? Was ist mit Menschen, die sowohl ehrenamtlich als auch zur Existenzsicherung, politisch tätig sind? Wie lassen sich hier Grenzen ziehen?“

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Integrationskurse: ver.di fordert nachhaltige Konzepte statt Absenkung pädagogischer Standards

(20.10.2015) Im Zuge der Flüchtlingskrise hat die Bundesregierung die Zulassungskriterien für Lehrkräfte in Integrationskursen abgesenkt. Was kurzfristig helfen soll, schnell mehr Deutschkurse anzubieten, wird die Qualität von Deutschkursen für Migrant_innen vermutlich dauerhaft verschlechtern.

Es ist nicht akzeptabel, dass sich die ohnehin schlechten Arbeitsbedingungen der Lehrkräfte weiter verschlechtern und ihre Qualifikation abgewertet wird. Ver.di erwartet, dass die politisch Verantwortlichen den eingeschlagenen Kurs verlassen und Lösungen anbieten, die die Integration von Flüchtlingen nachhaltig sichern. Der eingeschlagene Weg ist weder im Sinne der Flüchtlinge noch der Lehrenden“, sagte Ute Kittel, Mitglied des ver.di-Bundesvorstands.

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